Titus Müller liest aus seinem neuen Roman „Die Dolmetscherin“ am Kumax
Wie ist das, wenn der Krieg endet? Wenn der letzte Schuss gefallen ist, wenn die letzten Bunker geräumt sind?
Diese Fragen in Bezug auf das Ende des Zweiten Weltkrieges beantwortete Spiegelbestsellerautor Titus Müller mit einer außergewöhnlichen Lesung seines neuen Romans „Die Dolmetscherin“ am 5.05.2026 in der Großen Aula des Kumax. Was passiert nach dem Krieg mit den führenden Nationalsozialisten namens Göring, Keitel, Ribbentrop oder Heß? Wie gelingt trotz der totalen Niederlage ein hoffnungsvoller Neustart mit Schulen, Theatern und Musik? Den „krasse[n] Gegensatz“ zwischen dem Lebenshunger und der Suche nach Aufarbeitung sowie nach Gerechtigkeit war laut Müller eine der beiden Triebfedern zum Schreiben des Romans. Die andere bildeten die fehlenden moralischen Standards in der internationalen Politik der heutigen Zeit, die deutliche Parallelen zum Nationalsozialismus aufweisen. Wie war das also nach 1945, wo die Regeln der Menschlichkeit, des internationalen Miteinanders nicht mehr galten? Wie fand die Welt zurück zu Recht und Ordnung?
In den Mittelpunkt des Romans um die Nürnberger Prozesse rückt Müller wie gewohnt Figuren, die auf real existierenden Personen beruhen. Asta ist eben jene Dolmetscherin, muss bei den Nürnberger Prozessen übersetzen und wird so Zeugin der teils kruden Rechtfertigungen für die schlimmsten Verbrechen gegen Menschen.
Zunächst stellte Titus Müller lebendig und mit großer Sorgfalt die Angeklagten des Nürnberger Prozesses mit ihren Eigenheiten sowie Exit-Strategien vor und erklärte ebenso detailliert wie anschaulich die Schwierigkeiten des Simultanübersetzens. Natürlich las Müller auch aus seinem akribisch recherchierten Roman vor und stellte unter Beweis, dass er genauso lebendig lesen wie erzählen kann. Die unglaubliche Fülle an historischen Details und die große Liebe zu den Feinheiten überzeugten das Publikum. Gespannt lauschten die rund 80 Schüler der 9. und 12. Jahrgangsstufe sowie ihre Geschichtslehrerinnen den Ausführungen und reisten so in eine vergangene Zeit, in der in der großen Frage nach der Schuld an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit Recht gesprochen wurde, während vor allem Hermann Göring seine Schuld an den Verbrechen weit von sich wies. „Ich will euch’s nicht ersparen“, begründete Titus Müller seine Ausführungen, „schon gar nicht in einer Zeit wie heute“.
Abgerundet wurde die Lesung mit einer ausgiebigen Fragerunde, bei der sich viele Schülerinnen und Schüler zu Wort meldeten.
Loreen Lindberg
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