„Aktion Weihnachtsfreude 2025“
In der Weihnachtsgeschichte hören wir von drei Weisen aus dem Morgenland, die aufbrechen, um den neugeborenen Messias zu suchen und ihre Gaben zu bringen. Als unser P-Seminar am Mittwoch, 26.11.2025 um 4 Uhr morgens in Kleinbussen aufbrach, bepackt mit den Weihnachtspäckchen unserer Schule, um nach zwölfstündiger Fahrt rumänische Kinder zu besuchen, die in sehr prekären Lebensverhältnissen leben, ihnen zu begegnen und sie mit einem Weihnachtskarton zu beschenken, war etwas von dieser ganz alten Hoffnung spürbar, im Kleinen möge etwas Großes, Lebensbereicherndes, Unvergessliches liegen.
In Casa Rafa wurden wir von engagierten Einheimischen empfangen, die für die umliegenden Roma-Kinder Anlaufstelle für Nachhilfe und ein warmes Essen am Tag sind. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es in einen engen Anbau, wo unsere Schülerinnen und Schüler sich schnell Überblick verschafften, um den wartenden Kindern ein Päckchen ja nach Geschlecht und Altersgruppe auszugeben. Wer nach dem Einchecken in eine Hotelpension im benachbarten Timisoara noch Energie hatte, konnte abends die Innenstadt besichtigen – nach Rumänien kommt man ja nicht so oft!
Am Donnerstag besuchten wir die „Casa Speranza“ der Familie Moldovan in einem Vorort von Arad. Der Name ist Programm. Hoffnung finden hier verwaiste Kinder, alleinerziehende Frauen und derzeit auch eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine. Eine Österreicherin und ihr rumänischer Mann fühlten sich dazu berufen, in einem Land, in welchem der Staat kaum soziale Arbeit leistet und derartigen Initiativen sogar reserviert bis feindselig gegenübersteht, jungen und benachteiligten Menschen eine Perspektive zu eröffnen. So sind sie Mutter und Vater von vielen geworden – zwei ihrer derzeitigen Jungs turnten gleich fröhlich auf den Schenkeln unserer Oberstufenschüler herum und sorgten für herzliche Belustigung.
In Hunedoara waren wir zunächst überrascht, als wir das Gemeindezentrum betraten: ein sehr schöner, luxuriöser Raum mit Bühne, Instrumenten, Lichttechnik, eine Art Konzertsaal mit Infrastruktur. Es stellte sich heraus, dass ein Gönner dies alles gespendet hatte. So feierten wir dort einen Gottesdienst mit diversen Ansprachen, Gebeten und Liedern. Auch wir haben auf der Bühne gesprochen und unseren mehrstimmig eingeübten Song „Heaven is a wonderful place“ gesungen. Vorab war aus jeder unserer Klassen ein Päckchen ausgelost worden, das bis zum empfangenden Kind genau nachverfolgt worden ist, mit Foto des empfangenden Kindes. Einige dieser Fotos sind in Hunedoara entstanden. So konnten unsere Schülerinnen und Schüler später mit eigenen Augen sehen, dass ihr Geschenk gut angekommen ist! Abends trafen wir einen adretten Pastor, der uns berichtete, dass auch er früher ein Straßenkind gewesen ist und dank der Unterstützung von Mitchristen eine Perspektive für Ausbildung und ein festes Dach über dem Kopf bekommen hat. Er kümmert sich jetzt selbst um verlassene Kinder, die auf den Straßen herumlungern – in Rumänien leider ein häufiges Phänomen. Darüber erfuhren wir am nächsten Tag noch viel in Alba Julia bei Cosima, die Kinder in ihr Zentrum einlädt, welche in irgendwelchen Zeltverschlägen auf dem Feld schlafen.
Besonders beeindruckend war die Arbeit von Pastor Rufus Whynot, einem Kanadier, der in einem Vorort von Cluj wohnt und zusammen mit seiner Frau insgesamt 16 Kinder als die Seinigen aufgenommen hat. Natürlich fruchtete das nicht immer, sagte er, manche hätten ihn ausgeraubt und wären wieder verschwunden, aber sein Pastoren-Kollege Atti ist ein Beispiel für einen Jungen, der die Chance genützt hat. Wir fuhren mit den Pastoren zu Familienbesuchen, sahen mit eigenen Augen, in welch unbeschreiblichen Zuständen ärmste Familien hausen in Zweiraumhäusern mit verschmutzten Matratzen, keinerlei Möbeln, einem Gasherd, ohne fließendes Wasser, ohne Waschmöglichkeiten im Haus, ohne Bücher und Schreibsachen (auch die Kinder!). Noch heftiger waren die Eindrücke von einer Siedlung inmitten einer Müllhalde, wo Roma-Familien leben. Pastor Rufus berichtete, dort hätte sich schon manches zum Besseren gewendet, seitdem sie dort arbeiteten – es gebe andere solcher Müllsiedlungen, die selbst von der Polizei gemieden würden. Wir trafen uns in einem Container-Gemeindebau zu Musik, Gesang, einigen Worten und durften zusehen, wie glücklich die Kinder mit ihrem Weihnachtspäckchen nach Hause liefen.
Last but not least wäre diese Fahrt unseres P-Seminars nicht möglich gewesen ohne die sehr gute Vernetzung und Ortskenntnisse unserer Kooperationspartner der Freiraum-Kirche Halsbach mit ihrer Partnergemeinde in Linz. Immer gab es Dolmetscher und als Lehrkraft habe ich mich sehr gefreut, mit einem solch kompetenten Leitungsteam unterwegs zu sein, um auf dieser herausfordernden Reise ein waches Auge für die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler zu haben. Gott sei Dank sind wir alle wohlbehalten und bereichert nach Hause zurückgekehrt!
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Zwei P-Seminar-Schülerinnen ziehen für sich folgendes Fazit:
Die Zeit in Rumänien hat mich tief geprägt. Die Begegnungen, die Geschichten und all die Emotionen haben mir gezeigt, wie wichtig Mitgefühl und Menschlichkeit sind. Besonders die Nähe zu den Kindern und zu den Menschen, die sich mit so viel Liebe und Hingabe für sie einsetzen, war unglaublich berührend. Zu hören, was manche Kinder schon erleben mussten und zu sehen, unter welchen Umständen sie aufwachsen, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Gleichzeitig war es ein wunderschönes Gefühl, helfen zu dürfen und etwas weiterzugeben, gerade in der Weihnachtszeit. Diese Erfahrungen haben mir bewusst gemacht, wie privilegiert unser eigenes Leben ist und wie oft wir Dinge als selbstverständlich sehen. Ich nehme aus dieser Zeit Dankbarkeit und die Erkenntnis mit, dass kleine Gesten und Nächstenliebe unglaublich viel bewirken können. (Josefine)
Rumänien war eine spannende und intensive Reise. Es gab schöne Momente, aber auch bewegende und eher traurige Momente, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Besonders berührt hat mich das Überreichen der Pakete an die Kinder und Familien, weil man ihre Dankbarkeit und Freude deutlich spüren konnte. Die Reise hat mir gezeigt, dass es nicht jeder so gut hat wie wir und dass man dankbar sein sollte für was man hat. Abschließend möchte ich sagen, dass ich froh bin diesen Trip gemacht zu haben, weil ich dadurch an mir selbst gewachsen bin und andere Menschen durch diese Aktion unterstützt habe. (Emilia)
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Sehr erfreut waren alle Beteiligten über die Gelegenheit, am Freitag vor den Weihnachtsferien in der Großen Aula für die Schulgemeinschaft eigene Fotos, Videos und Berichte mit unvergesslichen und bewegenden Eindrücken dieser Verteilerreise nach Rumänien zu präsentieren. Dankbar konnten wir zurückblicken und erfreuten uns daran, dass der Funke übersprang und selbst nach den Weihnachtsferien in den Klassen und im Kollegium noch anerkennend über die Aktion gesprochen wurde. Möge der gute Same weiterwachsen!
Silvia Lomax
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