Auf den Spuren der „Regensburger Römer“
Wenn heutzutage jemand am Ufer des Flusses Naab spaziert, tut er das zum Entspannen, um mit dem Hund rauszugehen oder einfach an die frische Luft zu kommen. Vor rund 1500 Jahren aber wäre das weniger empfehlenswert gewesen – denn auf dem Fluss patrouillierten damals auf Ruderbooten die römischen Soldaten, die uns Germanen eher kaum eine ruhige Minute lassen würden! Wir, die 8. Klassen sowie die amerikanischen Austauschschülerinnen und -schüler aus Tennessee, sind nach Regensburg und an die Naab gefahren, um die Spuren der Römer nachzuverfolgen.
An Montag, dem 29.06.2026, trafen wir uns um 8 Uhr vor den jeweiligen Klassenzimmern, bevor wir zum Bus gingen. Nach einer etwa zweieinhalbstündigen Fahrt, die unterhaltsam und schnell verlief, kamen wir an unserem ersten Halt an: Regensburg, oder auch castra regina, wie die Römer die Stadt nannten. Nach kurzem Spaziergang überquerten wir die berühmte Steinerne Brücke, über die uns Frau Weiß auf der anderen Seite eine weit bekannte Legende erzählte. Auch über die porta praetoria, die Überreste des Nordtors der castra regina, erfuhren wir Einiges: Das spätere Regensburg wurde unter dem Philosophenkaiser Mark Aurel als Legionslager erbaut, die heute noch erhaltene porta war dessen Haupttor. Mit der Zeit wurde es jedoch teilweise zerstört, überbaut und vergessen. Erst 1885 wurde das Tor wiedergefunden und restauriert – und man kann es bis heute bestaunen.
Nach dieser kleinen Geschichtsunterrichtseinlage ließen wir uns vor dem Tor fotografieren; danach durften wir ca. eine Dreiviertelstunde in Grüppchen die bildschöne Altstadt erkunden und uns etwas zu essen kaufen. Sobald wir wiederum später alle pünktlich am vereinbarten Treffpunkt angekommen waren, ging es schon weiter: Der Bus fuhr uns nach Mariaort, an dem wir uns selbst im Rudern versuchen sollten.
Vor Ort teilte man uns in 2 Gruppen ein, denn zeitgleich zur Flussfahrt sollte uns auch ein „echter Legionär“ etwas über das römische Reich und die Kleidung der Soldaten erzählen, danach wurde gewechselt.
Dieser (bzw. diese, denn der Legionär war eine Studentin namens Franka) kam auch schon bald und frischte mit uns erst einmal unser Wissen über die Römer auf. Nach den Grundlagen erzählte sie mehr über das Leben und die Kleidung eines Soldaten, wobei sie öfters die Kleidungsstücke in die Runde gab, Fragen beantwortete und erklärte – zum Beispiel, dass die römischen Togen wohl kaum so blütenweiß waren, wie es in den Filmen immer dargestellt wird, so eine Farbe wäre damals nicht möglich gewesen!
Auch zur Rüstung und den Waffen erzählte Franka viel Wissenswertes, und wer sogar mal Schild und Waffe ausprobieren durfte, konnte sich davon überzeugen, wie schwer sie wogen, gleichzeitig aber ausgeklügelt entworfen waren: Als die Römer mit ihrer Formation bei den Germanen scheiterten, passten sie ihre Schilder und Waffen einfach der Umgebung an, sodass sie auch diese besiegen konnten. Und wussten Sie, dass die Höhe der römischen Helmkämme den Rang bestimmte?
Die Ruderfahrt war nicht weniger spannend! Bevor sich alle auf die navis begaben, mussten sich acht Freiwillige melden; zwei von ihnen gaben als Schlagruderer an der Spitze des Schiffs den Takt vor, die sechs anderen bildeten die sogenannte Bug-Elite. Schon betraten wir das flache Schiff, studierten kurz mit unserem „Kapitän“ die notwendigen und recht einfachen Befehle ein und wiederholten die zum Rudern nötigen drei Schritte – Ruder nach hinten, durchs Wasser ziehen und aufriemen, (d. h. die Ruder aus dem Wasser ziehen). Dann war es Zeit, unser Können in die Praxis umzusetzen: Wir tauchten unsere Ruder ins Wasser und ruderten los. Anfangs war es etwas anstrengend, doch mit der Zeit konnte man sich etwas an die schweren Ruder gewöhnen. Respekt an jene Römer, die jeden Tag eine derartige Kraftanstrengung verrichten mussten!
Etwa eine Stunde ruderten wir so flussauf- und abwärts, während unser Kapitän ein paar Fakten zu den Legionären ergänzte. Zuerst wurde uns noch der Takt vorgegeben, danach orientierten wir uns an den Schlagruderern, die ganz vorne saßen, und kamen so relativ schnell voran. Schließlich dockten wir wieder an, bedankten uns bei den „Römern“ und kamen nach diesem ereignisreichen Tag um ca. 18 Uhr wieder in Burghausen an.
Vielen Dank an die gesamte Fachschaft Latein für dieses spannende und lehrreiche Erlebnis!
Wanda Merchán-Drążkowska, 8b
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