Ausstellung

Erfolgsautor Philipp Vandenberg schenkt seinem ehemaligen Gymnasium ein kleines Museum

Schulgründer Kurfürst Maximilian ist natürlich eine eigene Vitrine gewidmet.
Schulgründer Kurfürst Maximilian ist natürlich eine eigene Vitrine gewidmet.

Dass Ludwig Thoma am Kurfürst-Maximilian-Gymnasium innerhalb von zwei Jahren genügend Stoff für seine Lausbubengeschichten gesammelt hat, wissen die Burghauser. Dass der Vater der bayerischen Verfassung, Wilhelm Hoegner, in der Lehranstalt prägende Jahre verbracht hat, vermutlich auch. Dass aber eine Gruft mit wild durcheinander gebeutelten Gebeinen unter der Studienkirche vor sich hindämmert, das dürfte kaum bekannt sein. Genauso wenig wie die Zeit, als nur ein Schüler seinen Einzelunterricht genoss, wo heute knapp 400 Jugendliche unterrichtet werden. Philipp Vandenberg, der bibliophile Erfolgsautor mit starken Burghauser Wurzeln, hat die Geheimnisse seines Gymnasiums seit Jahrzehnten aufgespürt und gesammelt, was in Beziehung zum Kumax und zu Burghausen steht. In einem kleinen Museum sind diese Schätze – mal amüsant, mal kurios mal einfach nur wissenswert – im „Kumax-Foyer“ vor der Großen Aula zu sehen: die wohl schönste Liebeserklärung an eine Schule. Als Dauerleihgabe in fünf Vitrinen und mit sechs geschichten- und geschichtsträchtigen Tafeln ist diese Ausstellung auf Anfrage auch schulfremden Personen zugänglich.

40 000 Thaler spendete Kurfürst Maximilian für den Bau des Kumax.
40 000 Thaler spendete Kurfürst Maximilian für den Bau des Kumax.

Natürlich kommen sie an erster Stelle: Kurfürst Maximilian auf einem Ölgemälde, seine Frau im Porträt, seine Familie auf einem Kupferstich. Der Schulgründer machte mal eben 40 000 Thaler locker, um den katholisch geprägten Bildungsidealen der Jesuiten Raum zu geben. Das Kurfürst-Maximilian-Gymnasium hatte sein Fundament und seine Bühne für eine heute knapp 400-jährige Geschichte, die 1629 begann. Noch viel weiter in die Vergangenheit weist das älteste Stück der Ausstellung: Eine kaiserliche Urkunde vom 1. Mai 1505 bezieht Stellung im Landshuter Erbfolgekrieg, als der Thron von Georg dem Reich zur Diskussion stand – oder doch eher zur kämpferischen Auseinandersetzung.

Dabei dürfen sich nicht nur hochwohlgeborene, mit Burghausen verbandelte Adelige am Kumax verewigen, sondern ebenfalls Studiengenossen oder Lehrer, die – bürgerlich auf die Welt gekommen – später zu Ruhm und Ehren gelangten. Wie etwa die Freiheitskämpfer Plinganser und Meindl, die sich im Bauernaufstand Anfang des 18. Jahrhunderts einen Namen machten. Oder eben Wilhelm Hoegner, der als Sohn des Peracher Bahnwärters am Kolleg ein schweres Los hatte. Aber auch Franz von Paula Schrank, der gerade in der Botanik erfolgreich war. Dass all diese Namen nun ein öffentliches Andenken bekommen, erfreute den Vater der Sammlung, Philipp Vandenberg. Dass zu wenige aber auf einem Straßenschild im Stadtbild aufscheinen, kritisierte der Schriftstellen: „Stattdessen finde ich einen Lilienweg, einen Nelkenweg, einen Margueritenweg“, sagte er kopfschüttelnd.

Vielleicht nehmen sich die Burghauser Verantwortlichen ja dieser Schwachstelle im lokalpatriotisch verankerten Erinnern an. Schließlich gelang es auch Vandenberg nicht von heute auf morgen, sein kleines Museum einzurichten. Über Jahrzehnte blieb diese Idee auf dem Tisch, bis sie dank der Initiative von Direktor Andreas Rohbogner wohl präsentiert in Vitrinen zur Ausführung kam. 17 000 Euro bewilligte der Landrat dafür und ließ damit nicht nur Rohbogner strahlen: „Es ist ein weiteres Glanzlicht dieser an Glanzlichtern reichen Schule.“ Wie zum Beweis brillierten die Musiker auf der feierlichen Eröffnung am Montagabend: Die drei Schweinberger Schwestern Anna, Paula und Klara, Alexander Staller, Julia Ehrenbrandtner und Lena Otto spielten wunderbare Barockmusik.

In der Barockzeit war es üblich, Bücher zu entfremden, sagt Philipp Vandenberg, der an der Schublade der Aloe barbariensis schnuppert. Der Erfolgsautor hat die Geheimnisse seines ehemaligen Gymnasiums aufgespürt und dem Kumax als Dauerleihgabe überlassen.
In der Barockzeit war es üblich, Bücher zu entfremden, sagt Philipp Vandenberg, der an der Schublade der Aloe barbariensis schnuppert. Der Erfolgsautor hat die Geheimnisse seines ehemaligen Gymnasiums aufgespürt und dem Kumax als Dauerleihgabe überlassen.

Mit einem Augenzwinkern übergab Vandenberg offiziell seine Sammlung, die er nicht nur als Leitbild für herausragende Leistungen sieht: „Ich widme sie auch jenen Schülern, die mit dem bayerischen Bildungssystem weniger gut zu Recht kommen“, sagte der 74-Jährige lächelnd und meinte aufmunternd: „Zum Schriftsteller reicht es allemal.“

(Michaela Resch, Burghauser Anzeiger)