Kumax-Gymnasium wird zur Millionen-Baustelle

Während die Sanierung der Fassade im Kreisausschuss sofort auf Zustimmung stieß, schieden sich bei Aufzügen und Verbindungsbau die Geister

 

Eigentlich sollte nur ein barrierefreier Zugang für die Besucher der Aula-Veranstaltungen geschaffen werden – entsprechend verwundert zeigte sich am Montagnachmittag so manches Mitglied des Kreisausschusses, welche Wendung das Thema Kumax-Aufzug mittlerweile genommen hat. Statt eines Aufzugs für den Hauptbau des Burghauser Altstadt-Gymnasiums geht es mittlerweile um eine Millioneninvestition in Sachen Barrierefreiheit. Hinzu kommt wohl eine weitere siebenstellige Summe für die Fassaden-Sanierung des langgezogenen Kollegbaus.

Zumindest was die Außenhaut des Kurfürst-Maximilian-Gymnasiums betrifft, waren sich alle einig: Die Investition sei notwendig, um den Gebäudetrakt auf Vordermann zu bringen und einige in den 1960er-Jahren getätigten Bausünden wieder zu bereinigen. So verschwanden damals die ursprünglich aufwendigen Fenstereinfassungen der zum Burghang zeigenden Westseite.

Im Zuge der Fassaden-Sanierung will Architekt Peter Hanfstingl das wieder ändern – und weiß dabei sowohl den Landkreis als Sachaufwandsträger als auch Stadt und Landesdenkmalamt hinter sich. Alle Vier sind sich einig, dass die Neugestaltung den Eingang zur Altstadt, wie Hanfstingl das Gebäude nennt, keine reine Zwecksanierung werden soll. Die Stadt etwa will in die eigene Kasse greifen, um Fenster aus Eichenholz mit echten Sprossen zu ermöglichen.

Aufwendig wird auch die Sanierung auf der Ostseite des Kollegbaus. Auf insgesamt rund 200 zu ersetzende Fenster kommt Hanfstingl, dazu auf etwa 2500 Quadratmeter beschädigten Putz. So rechnet er denn auch mit bis zu einer Million Euro an Kosten. Baubeginn soll im Herbst 2019 sein.

Gab es zu diesem Punkt einhellige Zustimmung im Kreisausschuss, warf der geplante Einbau eines Aufzugs sowie der Ersatz des Verbindungsbaus zwischen Kollegbau und dem an der Salzach gelegenen Hauptbau deutlich mehr Fragen auf.

Wie mehrfach berichtet, geht es diesbezüglich seit Jahren hin und her. Was einst infolge des Wunsches ins Rollen kam, einen barrierefreien Zugang für die Besucher von Konzerten und anderen Veranstaltungen in der barocken Aula des Hauptbaus zu schaffen, ist zunehmend zu einem Großprojekt in Sachen generelle Barrierefreiheit avanciert.

Peter Hanfstingl favorisierte dabei am Montag eine Version, die sowohl im Haupt- als auch im Kollegbau einen Aufzug vorsieht sowie obendrein die Erneuerung des Verbindungsbogens zwischen den beiden Gebäuden. Alles zusammen würde inklusive begleitender Brandschutzmaßnahmen und der überfälligen Sanierung des WC-Bereichs im Hauptbau wohl mehr als 1,6 Millionen Euro kosten, davon alleine 800 000 Euro für den Verbindungsbau.

Gerade Letzteres sorgte am Montag für Unverständnis, so etwa bei Dieter Wüst und Konrad Heuwieser (beide FW). Abriss und Ersatzbau seien aufwendig, begründete Hanfstingl die Kosten. So könnte der Neubau aus statischen Gründen nicht einfach bei Kolleg- und Hauptbau aufgelegt werden, sondern bräuchte ein eigenes Fundament.

Hinzu kämen die mit dem Projekt verbundenen Brandschutzmaßnahmen: Der Verbindungsbau ist künftig auch als zweiter Rettungsweg vorgesehen – indem er auch auf dem Dach begehbar ist und die beiden 2. Obergeschosse des Kolleg- und Hauptbaus miteinander verbindet. Ohne einen solchen Fluchtweg seien die im 3. und 4. Obergeschoss des Hauptbaus gelegenen Schulräume nicht zu halten, erklärte Hanfstingl den Hintergrund.

Eine längere Diskussion entbrannte an der Frage, was in Sachen Barrierefreiheit denn nun notwendig oder einfach nur Luxus sei. Nicht nur Landrat Erwin Schneider hielt den Vorschlag zweier Aufzüge für übertrieben. Inklusive Turnhalle und dem direkt am Burghang gelegenen zweiten Kollegbau käme das Kumax auf vier Aufzüge, stellte Hans Steindl (SPD) fest. Bei solchen Dimensionen laufe der Landkreis Gefahr, im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes aufzuschlagen.

Zwar entgegnete Architekt Hanfstingl, dass ein Verzicht auf einen Aufzug im Hauptbau letztlich nur rund 140 000 Euro einspare, das aber ließ Landrat Schneider nur ohne Berücksichtigung der Fördermodalitäten gelten. Seiner Meinung nach könnte es passieren, dass bei zwei Aufzügen die Förderung des für den Brandschutz unerlässlichen Verbindungsbaus wegfällt – weil dieser für die förderentscheidende Barrierefreiheit dann nicht mehr nötig wäre. Bei 800 000 Euro Kosten und einer Förderquote von 30 Prozent „würde das richtig teuer“, rechnete Schneider vor.

Sowohl er als auch Burghausens Bürgermeister Steindl plädierten dafür, statt den Hauptbau nur den Kollegbau mit einem Aufzug auszustatten und die Aula des Hauptbaus über die zweite Ebene des Verbindungsbaus barrierefrei zu erschließen.

Den Hintergrund für dieses Umdenken hatte zuvor bereits Architekt Hanfstingl geliefert: So kann ein Aufzug im Hauptbau aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur zwischen Erdgeschoss und 2. Obergeschoss verkehren, Damit würde zwar die Aula erschlossen, nicht aber das 3. Obergeschoss. Zudem müsste ein Teil des WC-Bereichs geopfert werden – was die Ausschussmitglieder nicht hinnehmen wollten. Im Kollegbau kann der Aufzug hingegen bis ins 3. Obergeschoss gezogen werden, womit größere Bereiche der Schule erschlossen würden.

Bei der Abwägung gelangten die Ausschuss-Mitglieder zu der Entscheidung, die weitere Planung in Sachen Fassadensanierung und Errichtung eines neuen Verbindungsbaus abzusegnen sowie sich auf einen Aufzug im Kollegbau zu beschränken. Details und genaue Kostenberechnungen sollen dem Gremium im April vorgelegt werden.

Eine im Höhenunterschied zwischen Haupt- und Kollegbau begründete Rampe im Verbindungsbau soll dabei nach Möglichkeit durch eine Rollstuhlhebebühne oder ähnliches ersetzt werden – so will der Landkreis den Bedenken von Schulleiter Andreas Rohbogner begegnen, wonach der als Aufenthaltsbereich bei den Schülern beliebte Verbindungsbau im Fall einer langen Rampe zu viel nutzbare Raumfläche verlieren würde.

(Burghauser Anzeiger, 28.11.2018)