Ein Kindertheaterstück über KZs?

Die Theater-AG wagt sich an ein ungewöhnliches Stück

Bär oder Pavian? Wirst du hinschauen oder lieber unbeschwert dein Leben genießen? Das war die Frage, vor die die Zuschauer gestellt wurden, als sie sich am 28.2. und 1.3. im Helmbrechtsaal Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute ansahen.

Mit dem Stück von Jens Raschke, das mehrfach ausgezeichnet worden ist und derzeit am Staatstheater Kassel und im Schauspielhaus Düsseldorf gespielt wird, hatten sich die zehn Schülerinnen und Schüler der Theater- AG eine sehr anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Denn wie zeigt man einen „chefigen“ Pavian auf der Bühne? Wie ein stets strahlendes Murmeltiermädchen, ein hin- und hergerissenes Mufflon und einen kritischen Bären? Und wie erst die Brutalität der Konzentrationslager oder ausgemergelte Häftlinge? Das Stück handelt nämlich von einem Zoo, den es –historisch belegt –  im Konzentrationslager Buchenwald gab. Er grenzte direkt an den elektrisch geladenen Lagerzaun und sollte den SS-Angehörigen und deren Familien „in ihrer Freizeit Zerstreuung und Unterhaltung […] bieten“.  In 18 Szenen wird gezeigt, wie der Neuankömmling im Zoo, ein Bär, sich nicht mit dem Gestank aus dem Schornstein abfinden kann und dagegen aktiv werden muss.

Mit enorm viel Talent, Herzblut und Engagement gelang es den Schüler/Innen der 8.,11. und 12. Jahrgangsstufe, das anspruchsvolle Stück mit bescheidenen Mitteln wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen. So sah das Publikum einen zotteligen Bären, der es mit dem aufgeplusterten Papa Pavian und seinem roten Hintern aufnahm. Anderes aber wurde nur angedeutet, sei es durch poetische Texte aus dem Off, sei es durch Ton- oder Bildeinspielungen, sei es durch einen Chor, der eindrucksvoll artikuliert das Geschehen schilderte oder kommentierte. Die Zuschauer mussten Gezeigtes, Angedeutetes und Weggelassenes in ihren Köpfen zusammenfügen. Auch aktuelle Zeitbezüge bauten die Schüler in ihre Aufführung ein. Damit wurden alle an diesem Abend mit der Frage entlassen: Hinsehen oder wegsehen? Zivilcourage zeigen oder Beunruhigendes ausblenden? Bär oder Pavian?

Sabine Abel und Annette Hopf