Synagogenfahrt der 9. Klassen

Nach einer intensiven unterrichtlichen Beschäftigung mit dem Judentum ermöglichte eine Exkursion zur Salzburger Synagoge deren Besichtigung und eine persönliche Begegnung mit einer herausragenden Persönlichkeit. Wir hatten das Glück, dass  der 104jährige Synagogenvorsteher Marco Feingold trotz seines hohen Alters noch einmal zwei Schulklassen empfangen hat. Diesmal sitzend, weil gerade zwei Rippen gebrochen sind – aber „da oben“ (er tippte sich an den Kopf) sei noch alles in Ordnung, ergänzte er schmunzelnd. Keiner von uns wäre darauf gekommen, dass die Synagoge um 1900 von der Straße weg zurückversetzt gebaut werden musste, um das „christliche“ bzw. vielmehr das antisemitische Auge nicht zu stören. Feingold erzählte, wie er den Beginn des Dritten Reiches erlebt hatte, wie er und sein Bruder als junge Vertreter mit Pelzhandel ihr Brot verdient und wie beide als Juden wegen angeblicher Sabotage ins KZ Auschwitz eingeliefert worden waren. Sein Bruder hat die Odyssee durch diverse Konzentrationslager nicht überlebt und wurde 1942 vergast. Feingold zeigte seinen damaligen Pass mit einem großen „J“ auf jeder Seite. Der Mann räumte auf mit Versuchen der Geschichtsglättung wie beispielsweise einem angeblich erzwungenen Anschluss Österreichs. Er war 1938 auf dem Wiener Heldenplatz selbst dabei und erzählte, wie begeistert die Nazis mit offenen Armen empfangen worden waren und dass auch hinter den Kulissen nur sehr vereinzelt Vorbehalte zu hören waren. Feingold breitete auf einem Tisch vor sich viele einschlägige Dokumente aus und zeigte den Schülern Originalmaterialien. So legte er beispielsweise einen ausgeschnittenen „Judenstern“ auf seinen Oberarm, welchen die Juden damals unter Strafandrohung tragen mussten. Es ist erstaunlich, mit welcher Unermüdlichkeit der hochbetagte Mann sich bemüht, seine Lebenserfahrungen an unsere Jugendlichen weiterzugeben. Wir wünschen ihm noch möglichst gesunde und erfüllte Lebensjahre!

Silvia Kettl