Die große Kunst des Zweifelns

Der ehemalige Kumax-Schüler Dr. Andreas Belwe erzählt bei der „Burghauser Begegnung“ über sein Leben als Philosoph

 Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Gerechtigkeit? Was ist mir wirklich wichtig? Mit den großen Fragen des Lebens, die sich ein Mensch früher oder später stellt, beschäftigt sich Dr. Andreas Belwe beruflich. Als Philosoph denkt er aber nicht nur im stillen Kämmerlein über das Leben nach, sondern hat eine Vielzahl von beruflichen Tätigkeitsfeldern für sich entdeckt. Darüber und über seine Schulzeit im Kumax erzählte Belwe im Zwiegespräch mit Dr. Susanne Zimmer vom Bayerischen Rundfunk bei der zum 17. Mal stattfindenden „Burghauser Begegnung“ am Donnerstag in der kleinen Aula des Kurfürst-Maximilian-Gymnasiums.

„Sie erleben heute die traditionsreiche Schulgemeinschaft unseres Kulturgymnasiums“, begrüßte Kumax-Schulleiter Andreas Rohbogner die Besucher zu einem Abend voll philosophischer Gedanken, gepaart mit Wein und anregender Musik des jungen Pianisten Alexander Staller.

Dabei ging der heute 55-jährige Belwe zunächst auf das Aventinus-Gymnasium, an das er keine guten Erinnerungen hat: „Ich sehe die Zeit am Aventinus sehr kritisch. Die Lehrer waren überheblich, zynisch und schikanierend.“ Dagegen habe er nach seinem Wechsel auf das Kumax einen wohlwollenden Umgang feststellen können. „Diese Erfahrungen haben meinen Weg mitgeprägt.“ Ein weiterer prägender Faktor für das Interesse an Philosophie war Belwes Asthmakrankheit in Kindertagen, an der er fast gestorben wäre. Damals hatte er sich in kindlicher Naivität gefragt, ob der Tod nicht besser sei als der nächste qualvolle Asthmaanfall.

Heute beschäftigt sich der Münchner Universitätsdozent mit dem Phänomen der Leistungsgesellschaft, die heutzutage negativ gesehen werde, aber eigentlich eine Errungenschaft und Abnabelung von der Ständegesellschaft ist. Auch das Schreibcoaching für Studenten ist eine seiner Ideen. Wie Belwe feststellt, sei auf Grund der Digitalisierung die Fähigkeit der Studenten weniger geworden, längere Texte sinnentnehmend zu verstehen.

Öfter tauscht Belwe den Hörsaal gegen die Kleinkunstbühne. In seinem Programm stellt er aktuelle Fragen und beantwortet diese mit Zitaten des Philosophen Arthur Schopenhauer. „Ist es wirklich so?“ Diese Frage kommt Belwe als Philosoph stets in den Sinn: „Die Philosophie ist die große Zweifelskunst.“

(Burghauser Anzeiger, 08.04.2017)