Synagogen-Fahrt

Die 9. Jahrgangsstufe zu Besuch in der Straubinger Synagoge

Frau Zapp, die durch die Straubinger Synagoge führt, erklärt, dass die jüdische Zeitrechnung mit dem Jahr 3761 v. Chr. beginnt, welches das biblische Datum der Erschaffung der Welt und des Menschen ist. Anders als Christen folgen Juden dem Mondkalender, der elf Tage weniger als der Sonnenkalender hat.  Das jüdische Neujahrsfest, Rosch ha-Schana, wird im Herbst, dieses Jahr am 30. September, gefeiert. Alle Mitglieder der Gemeinde, das sind in Straubing heute etwa 1000, tragen dann weiße Kleider und es wird in das Schofar-Horn geblasen, was Glück bringt.

Das Judentum ist älter als das Christentum, sein wichtigster Feiertag ist der Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert. Er kann mit dem Sonntag bei den Christen verglichen werden. Am Sabbat darf man als Jude nicht arbeiten. Bereits die geringste Arbeit, wie z. B. das Knöpfedrücken, Kochen oder Autofahren, ist verboten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Da die Synagoge in Straubing die einzige in ganz Niederbayern ist und viele sie nur per Auto erreichen können, bleibt ihren Besuchern gar nichts anderes übrig, als zum Gottesdienst mit dem Auto dorthin zu fahren. An sich verlaufen viele jüdische Feiertage parallel zu den christlichen. Allerdings haben sie andere Anlässe. So ist z. B. am christlichen Osterfest das jüdische Pessach, an dem man des Auszugs des jüdischen Volkes aus Ägypten gedenkt.

Genauso wie Christen befolgen Juden die Zehn Gebote. Allerdings dürfen sich in der Synagoge, ähnlich wie in der Moschee, keine Gottesbilder befinden.

Danach erzählt Frau Zapp, dass es verschiedene Strömungen im Judentum gibt: orthodox, liberal und konservativ. Im orthodoxen Judentum braucht man zehn religionsmündige Männer, um die Tora ihrem Schrank, der in Richtung Jerusalem ausgerichtet ist, zu entnehmen und daraus den Wochenabschnitt zu lesen. In den anderen Strömungen ist es in Ordnung, wenn zehn religionsmündige Personen anwesend sind. Mädchen werden im Alter von 12 Jahren durch ihre Bat Mizwa zu Frauen, d. h. sie werden ein vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde, Jungen im Alter von 13 Jahren durch ihre Bar Mizwa. Um aus der Tora lesen zu können, müssen Kinder Hebräisch lernen, weshalb sie am Sonntag Hebräisch-Unterricht bekommen.

Nun wird uns die Tora gezeigt. Sie ist von einem Mantel bedeckt und, wie Frau Zapp erzählt, oft mit einer Krone geschmückt. Die Torarolle wird von Hand geschrieben und darf nur mit einem Zeigestab, auch Jad genannt, berührt werden.  Wenn beim Schreiben ein Fehler gemacht wird oder die Tora zu alt ist, dann wird sie begraben. Der Beruf als Toraschreiber lohnt sich, denn man bekommt schon für eine kleine Torarolle ungefähr 2000 Euro. Wenn die Tora im Laufe eines Jahres ausgelesen wurde, feiert man Simchat Tora. Hierbei werden alle Torarollen dem Schrank entnommen und es wird mit ihnen siebenmal um das Vorlesepult bzw. durch die ganze Synagoge getanzt.

Die Tora war für die Juden, die vor allem bis 1948, der Gründung des Staates Israel, auf der ganzen Welt verstreut waren, ein „portatives Vaterland“. Ein Jude zu sein, bedeutet, an die Heilige Schrift, welche man auch zum Beten braucht, zu glauben.

Gegen Ende berichtet Frau Zapp noch von der Geschichte der Straubinger Synagoge, die 1907 erbaut wurde. In der Reichsprogromnacht 1938 wurde diese von den Nationalsozialisten verwüstet, aber als eine der wenigen Synagogen nicht zerstört. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie erstmalig renoviert, 1989 das zweite Mal.

(Bericht von Korbinian Meisenberger und Luc Friebertshäuser)